{"id":446,"date":"2013-04-25T19:57:40","date_gmt":"2013-04-25T17:57:40","guid":{"rendered":"http:\/\/gerhard-hagen.de\/blog\/?page_id=446"},"modified":"2013-05-07T20:43:51","modified_gmt":"2013-05-07T18:43:51","slug":"europaische-grenzen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.gerhard-hagen.de\/blog\/europaische-grenzen\/","title":{"rendered":"\u00dcberg\u00e4nge &#8211; Dokumentation der Europ\u00e4ische Grenzen"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe von 2006 bis 2010 europ\u00e4ischen Grenzorte bereist. Ich war in Melilla, einer spanischen Exklave auf afrikanischem Boden, ich war in Finnland an der Grenze zu Russland. Ich war auf Lampedusa im Mittelmeer und am Donaudelta am schwarzen Meer. Ich wollte wissen, wie es am Rand Europas aussieht, ich wollte wissen, wie es sich dort anf\u00fchlt.<\/p>\n<p>Grenzorte sind Orte des \u00dcbergangs, des &#8222;Sowohl als auch&#8220;, des dazwischen, an denen einerseits die Abgrenzung zweier oft sehr gegens\u00e4tzlicher Kulturen und Weltanschauungen sichtbar wird, an denen aber auch durch die Vermischung dieser Gegens\u00e4tze etwas ganz eigenes und neues entstanden ist.\u2028Manche dieser Orte fristen in der Peripherie zweier Staaten, zweier Kulturen eine Art Schattendasein, das ihnen auch ungeahnte und unerwartete Freir\u00e4ume jenseits beider Anrainer bietet. So entstanden und entstehen an solchen Orten immer ganz typische Stimmungen, die es so nirgendwo anders gibt und geben kann.<\/p>\n<p>&#8220; Es gibt Fotos in seiner Arbeit \u00fcber Grenzen, die auf den ersten Blick sehr idyllisch wirken. Aber der Schein tr\u00fcgt.\u00a0Betrachten wir die Darstellung von Vukovar an der Donau, auf der gegen\u00fcberliegenden Seite liegt Serbien.W\u00e4hrend des Krieges haben die Serben von der anderen Seite Vukovar beschossen, Vukovar wurde sehr stark zerst\u00f6rt. Ein Ziel der serbischen Artillerie war der Wasserturm Vukovars, ein anderes Ziel war das Schloss (ganz links zu sehen) bzw. der etwas neuere Backsteinturm vor dem Schloss. Bei einem Angriff brannte der Baum vor dem Schloss komplett ab und steht nun als verkohltes Mahnmal an der Donau, ein beinahe Caspar David Friedrich\u2019sches Bild von h\u00f6chster Eindringlichkeit und Symbolik.<\/p>\n<p>Oder der ehemalige internationale Flughafen Nicosia auf Zypern. Nach dem \u00dcberfall der T\u00fcrken auf Zypern 1974 richteten die UN- Truppen eine (- bis heute noch -) von Blauhelmen kontrollierte Pufferzone ein. Diese Pufferzone darf nicht betreten werden und liegt zwischen dem t\u00fcrkisch besetzten und dem zypriotischen Teils Zyperns. Der (- 1974 noch recht neue -) internationale Flughafen Nicosia fiel in diese Pufferzone und darf seitdem nicht mehr genutzt werden. Auf der Startbahn stehen F\u00e4sser, um das Starten und Landen zu verhindern, das Schaltergeb\u00e4ude steht leer und verf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Oder auf Lampedusa der &#8211; wieder beinahe Caspar David Friedrich\u2019sche \u2013 Blick aufs Meer. Bilder von \u00e4u\u00dferster Spannung, die unheimliche Weite, die eindringliche Stille, die verst\u00f6rende Verlassenheit, die irritierenden Gegens\u00e4tze der Landschaft. &#8211; Momenti mori?!<\/p>\n<p>Immer wieder \u2013 seien es der Schiffsfriedhof auf Lampedusa mit den verfallenen Schiffen in sch\u00f6nen, kr\u00e4ftigen Farben, allesamt aufgegriffenen und zerst\u00f6rte Fl\u00fcchtlinsboote, oder die fast biblisch sch\u00f6ne Landschaft in Melilla, mit dem Zaun, der die spanische Enklave von Afrika trennt, &#8211; immer wieder versucht Gerhard Hagen,\u00a0sich die \u00c4sthetik und die Gestaltung seiner Fotos zunutze zu machen, um damit Aussagen zu treffen. Er macht Situationen sichtbar, er spielt mit Perspektiven, Vordergr\u00fcnden und Hintergr\u00fcnden, Tiefen, Ebenen und Stimmungen, er pointiert, mit dem Tageslicht, dem Sonnenstand, einer Wolkenformation, einem Farbenspiel, einer Kontur, er \u00fcberzeugt durch Nat\u00fcrlichkeit, Menschlichkeit, Sehnsucht und Poesie. Er erz\u00e4hlt Geschichten und spricht dabei unsere Erinnerungen, unsere Erfahrungen, unsere Empfindungen, unser Wissen, auf sensible und sympathische Art und Weise an. Er l\u00f6st in uns Gef\u00fchle aus, wir beginnen zu denken, in Bildern und Worten.<\/p>\n<p>Seine Arbeiten gehen dabei weit in die k\u00fcnstlerische Dokumentarfotografie, weniger um Wiedererkenntnis-Werte als um eigene fotografisch formulierte Sichtweisen auf die Welt.&#8220;<\/p>\n<p>Jan Esche<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe von 2006 bis 2010 europ\u00e4ischen Grenzorte bereist. 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